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Farean
Herbergsvater
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Feedback zur "Into The White"

Fri, 13. Aug. 2010 14:58

Hallo zusammen,

spät, aber es kommt: mein Feedback zur Into The White. Ich mußte mich zunächst etwas reinhören und war zudem eine Zeitlang internettechnisch verhindert.

Vom Gesamturteil her kann ich mich meinen Vorrednern bzw. -postern nur anschließen: Die "White" ist ein würdiger Abschluß für die Farben-Reihe! Wieder mal mit einigen Überraschungen und stellenweise komplett anders, als ich sie erwartet hätte. So war ich von dem multiethnischen Sound zunächst überrascht - ich hatte insgesamt ein eher skandinavisch anmutendes Klangbild erwartet -, aber es paßt.

Womit ich anfangs nicht recht "warm" geworden bin :wink:, war der Spannungsbogen der CD. Es überraschte mich ein wenig, die mystisch-fremdartigsten Tracks irgendwo in der Mitte vorzufinden ("The White Guard", "Ice Palace", "Ice Cave"), wohingegen die "Sons Of The North" ziemlich am Schluß kommen - dort, wo ich eigentlich erwartet hätte, daß man über jedes menschliche Siedlungsgebiet hinaus ist. Ich brauchte eine Weile, um mir dazu im Kopf einen vom Gesamtplot her passenden Film zu überlegen.

Am Ende ist es aber gelungen, und die einzelnen Tracks sind gewohnt kraftvoll, ob in der Wucht oder in der Ruhe. Kommen wir also nun zu den Einzelbewertungen:

1. Inuit - Ein "cooles" Gegenstück zur "Incarnation" von der Into The Gold. Vom Aufbau her ähnlich, und auch ähnlich grandios. Das Windesheulen und der eher melancholische Gesang am Anfang stimmen gut auf das Feeling einer rauhen, unwirtlichen Gegend ein, in der Wärme um so kostbarer ist. Das ganze Stück hindurch sehe ich wieder einen Vorspann vor mir, bei dem die Kamera über Landschaft und Inuit-Dorf wandert, während die Namen der Mitwirkenden eingeblendet werden.

2. White Realm - Willkommen im Land des ewigen Schnees! Die wellenartig im Hintergrund spielenden Streicher(?) erzeugen bei mir ein Bild von eisigen Bergkuppen und verschneiten Ästen, von funkelnden Eiskristallen und von Windböen dahingetriebenem Pulverschnee. Im Gesamtspannungsbogen erzeugt es bei mir ein Bild von der Ankunft im hohen Norden: noch stehen wir nicht im Schnee, doch von Weitem gesehen ist er bereits allgegenwärtig.

3. The Hut - Ein Gasthaus in Sibirien! :) Das war meine erste Assoziation. Eingekeilt zwischen Jakuten, Samojeden und Gastarbeitern aus Moskau, sitzt man zu den Klängen der Balalaika in der schummrigen Blockhütte und schlürft heißen Tee. Sehr stimmungsvoll.

4. First Snow - Verspielt und überraschend freundlich. Auf den ersten Blick paßte das Stück für mich nicht ganz zu einer Stimmung von grimmiger Kälte. Andererseits ist es natürlich bestens geeignet, um einen Kontrast zwischen dem ersten Eindruck ("Juchhe, Schnee, ist das schön hier!") und dem nachfolgenden Abenteuer aufzubauen. Nun sieht man den Schnee nicht mehr nur von Weitem, man steht mittendrin - und das Schneegestöber wirkt erst mal einfach nur toll. Ab hier befinde ich mich auch geistig im "White Realm".

5. Tundra - Leer. Verlassen. Die Ödnis der Tundra ist gut spürbar und bildet einen unglaublich harten Kontrast zu "First Snow". Die erste Euphorie über das begonnene Abenteuer ist vorbei, die Fremdartigkeit der Landschaft verursacht Unbehagen.

6. Snow Creatures - ... und das nicht grundlos. Ein sehr kraftvoller und blutrünstiger Kampftrack. Gratulation an die Musiker! Der ruhige Mittelteil, in den sich gegen Ende wieder das leise Grollen der "Snow Creatures" mischt, bevor sie wieder mit voller Wucht zuschlagen, erzeugte bei mir ein Gefühl davon, wie gut diese Viecher darin sind, mit der Landschaft praktisch zu verschmelzen: sie ziehen sich aus dem Kampf zurück; du spürst, daß sie noch da sind; du weißt, sie werden gleich wieder angreifen, aber du weißt nicht, von wo. Toll gemacht!

7. Into The White - Für mich persönlich der erste Höhepunkt der CD. Dieser Track fängt großartig ein, wie sich die Landschaft nach und nach zu immer beschwerlicheren Formen aufschwingt. Konkret sehe und fühle ich bei dem Stück einen langsamen Aufstieg in ein majestätisches Gebirge. Grandios!

8. Dog Sled - Wieder ein schöner Kontrast zur vorher aufgebauten Stimmung. Nachdem die Landschaft zunächst immer grimmiger und feindlicher wirkt, erlebt man hier, wie es die Einheimischen schaffen, nicht nur irgendwie zu überleben, sondern sich sogar das Gelände zunutze zu machen. Das Hundegespann wirkt fröhlich und guter Dinge, die Schneefläche wird vom Hindernis zur gut ausgebauten Straße. Die Abenteuerstimmung stellt sich wieder ein.

9. The White Guard - Ab hier wird es mystisch. Ich hatte spontan etwas vor Augen wie die Terrakotta-Armee der chinesischen Kaiser, nur daß die Krieger in diesem Fall aus dem Eis gehauen sind. Eine Gänsehaut kam mir, als das Stück in lebhafteren Rhythmus verfiel und ich vor Augen hatte, wie sich die Eisskulpturen zu bewegen begannen...

10. Ice Palace - Unwirklich. Weltentrückt. Musikalisch mit einem Schuß Debussy angereichert. Den Palast kann ich bestens vor mir sehen... oder besser gesagt: um mich her. Das Glitzern desorientiert regelrecht. Wieder sehr gut gelungen und sehr stimmungsvoll.

11. Across The Ice Desert - Ein gutes Stück, um das langsame, beschwerliche Vorankommen über Gletscher und durch hüfttiefen Schnee zu untermalen. Ich kann richtig die Abenteurergruppe vor mir sehen, die nach den ersten drei, vier Tagen anfängt, bei Kleinigkeiten die Nerven zu verlieren: zum hundertsten Mal bleibt jemand mit dem Stiefel im Schnee stecken, verkantet sich ein Schlitten an verborgenem Eis, sackt der Windschutz, mit dem man sich einen Lagerplatz einrichten will, ein; jedem läuft die Nase, und der Tee wird in den Bechern schneller kalt, als das Feuer ihn aufheizen kann. Bei diesem Stück schwitze ich Eiszapfen.

12. Cold Steel - Wieder ein äußerst gelungener Kampftrack. Ich sehe regelrecht die Kosakenkrieger in ihren pelzbesetzten Kleidern vor mir: brutal und gnadenlos, dabei aber auch stolz und unbeugsam.

13. Ice Cave - ... und wieder ein sehr mystischer Track. Nach dem "Ice Palace" das nächste unwirkliche Stück. Hier lief der Spannungsbogen für mich mal in umgekehrter Richtung: kommt einem die Höhle anfangs noch fremd und bedrohlich vor, wird sie um so faszinierender, je länger man darin unterwegs ist und sich das Licht der Fackeln hundertfach in den Wänden bricht... nicht einmal das Tropfen der schmelzenden Höhlendecke kann einen noch wirklich nervös machen...

14. Silence - Dieser Track wirkt am besten im Kontext mit dem nächsten: auf dem Berghang herrscht Stille. Nur der Schnee wispert. Das für sich genommen erscheint zunächst wenig dramatisch...

15. Avalanche - ... wenn die Stille dann plötzlich gebrochen wird, dafür um so dramatischer. Dieser Track stellt für mich den zweiten Höhepunkt der CD dar. Die pure Gewalt der Lawine kommt so lebendig rüber, daß sich mir selbst auf dem Sofa die Gänsehaut aufstellt. Absolut überragend!

16. Snow Queen - Ein auf den zweiten Blick recht vielseitig einsetzbarer Track, der für jede Art Fabelwesen in Eis und Schnee passen könnte. Verspielt wie tanzende Schneeflocken, freundlich, lockend... trügerisch? Auf jeden Fall erzeugt das Stück auch wieder gut Stimmungen.

17. White Magic - Mystisch gesehen der Höhepunkt der CD. Dieses Stück erzeugt ein Gefühl von einem heiligen Ort, wo Schamanen ihren Körper zurücklassen, um in die Geisterwelt einzutreten, wo die Götter und Naturgeister sich einfinden, um mit den Sterblichen in Kontakt zu treten. Es fand mich gefangen zwischen der Geborgenheit des Guten und Reinen und dem Unheimlichen der Anderswelten. Es ist gut, an diesem Ort zu sein, aber es wäre schlecht, zu verweilen.

18. Blizzard - Noch einmal ein Gruß von den Naturgewalten. Zusammen mit "Storm" von der Blue und "Sand Storm" von der Gold könnte dieser Track zu einer Art "Stürme der Elemente"-Suite zusammengefaßt werden. Der Biß der Kälte ist hör- und spürbar. Großartig gelungen!

19. Sons Of The North - Wer hätte hoch oben im ewigen Eis eine Hochkultur erwartet? So hört sich der Track für mich an: nach einem Volk, das die rauhe Wildnis des Nordens gemeistert hat, nach strikten Gesetzen lebt und die Fremdlinge einer strengen, aber fairen Prüfung unterzieht. Die Abenteurer sind der Eiswüste entkommen und in der Obhut von Menschen angelangt, die ihnen von hier aus überallhin helfen können - wenn sie sich überzeugen lassen, es zu tun.

20. Northern Lights - Noch einmal eine ordentliche Portion Mystik. Der "Zauber des Nordens" in seiner reinsten Form. Die geisterhaften Lichter am Himmel kann ich mir bestens vorstellen und auch die Abenteurergruppe, die ergriffen zur weltentrückten Schönheit über diesem rauhen Land hinaufschaut.

21. A Journey Coming To An End - Geschafft! Die Gruppe hat den Hafen im hohen Norden erreicht, von dem aus es mit dem Schiff heimwärts in wärmere Gefilde geht. Ich kann richtig das Langschiff vor mir sehen und die Ruder, die sich im Takt der Musik heben und senken, um die glücklichen Heimkehrer kraftvoll "Into The Green" zu bringen. Ein runder Abschluß - für die CD und die ganze Farben-Reihe.

Fazit: Erdenstern, danke für die Musik! Die "Into The White" ist toll geworden. (Nicht, daß wir von euch etwas anderes erwartet hätten. ;)) Die Bibliothek der Phantastischen Musik ist damit ein geschlossenes Ganzes, aus dem wir sicher noch für viele Rollenspielabende werden schöpfen können. Meinen Glückwunsch an die Meister!

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